Impuls des Bischofs
In seinem Wort an die Konferenz berichtet Bischof Werner Philipp von seinen guten Erfahrungen mit seiner Hoffnungstour quer durch Deutschland. Werner Philipp sagt, dass ihn diese Besuche sehr bereichern. Er erlebt schöne Begegnungen mit Menschen. Er sieht, wie Gemeinden mit den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen umgehen und ringen, aber auch immer wieder Ermüdung und Erschöpfung. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Hoffnungsschimmer, die wie zarte Pflänzchen den Asphalt aufzubrechen vermögen. Angst ist deshalb ein schlechter Berater, denn Angst trennt Menschen voneinander. Angst verschließt Räume. Angst erzeugt Abgrenzung statt Begegnung. Letztlich stellt Angst Warnschilder auf, die Hoffnung dagegen Wegweiser.
Die Christliche Hoffnung hat deshalb eine riesige Kraft. Sie verändert Menschen, Positionen und Institutionen. Bring & share kann dabei als geistliches Prinzip dienen: Was ich teile, wird mehr. Was ich loslasse, muss nicht Verlust sein, sondern kann zu neuen Möglichkeiten führen. Die Hoffnung vermehrt sich, wenn sie geteilt wird. Sie kann nicht für sich behalten werden, sondern entsteht da, wo Menschen sich ehren- und hauptamtlich einbringen; junge Menschen Beteiligung einfordern; Gemeinden Menschen nicht aus dem Blick verlieren. So können wir Möglichkeiten mitdenken und das Leben bereichern. Hoffnung ist dabei häufig ein kleines Pflänzchen, das vorsichtig aufblüht.
Dies findet sich auch in verschiedensten Themen der SJK wieder. Der Bischof betont: Wo Menschenwürde nicht im Mittelpunkt steht, verliert Kirche ihre Glaubwürdigkeit. Die Biblische Botschaft beginnt mit der Zusage, dass alle Menschen Ebenbild Gottes sind. Deshalb kann christliche Hoffnung nicht neutral sein, sondern entscheidet sich für Menschenwürde.
Hoffnung ist gelebte Beziehungspraxis. Es geht darum, Menschen nicht auf Rollen, Ämter und Positionen zu reduzieren – auch in der Kirche. In erster Linie sind es Menschen, die sich begegnen, und in jedem menschlichen Wesen begegnet uns Gottes Antlitz. Wenn Menschen erfahren, hier werde ich gesehen und geliebt, entsteht Hoffnung. Sie entsteht also durch gelebte Nächstenliebe. Hoffnung bleibt nicht bei Worten stehen, sondern sie hat Hände. Sie zeigt sich im Besuchsdienst, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Begleitung Geflüchteter, in diakonischem und sozialem Engagement – in kleinen und großen Gesten. Hoffnung ist Bewegung. Sie bleibt unterwegs und bewegt.
Martin Walser hat einmal gesagt: „Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.“ So lasst uns hoffnungsvoll losgehen in diese SJK-Tagung – und vielleicht wird man eines Tages zurückblicken und sagen: Hier wurden neue Räume der Hoffnung vermessen.
Mareike Nix