Am Klavier erklingt „Summertime“ und es herrscht siedenden Hitze – nein, wir sind nicht in den Südstaaten, sondern im beschaulichen Reutlingen. Das „Caféhaus“ ist eröffnet und 110 Frauen sind da und haben sich auf den Weg gemacht zum diesjährigen Begegnungstag der Frauen in die Theologische Hochschule in Reutlingen. Er steht unter dem Motto „Methodist:innen bewegt unterwegs“.
Judith Bader-Reissing leitet durch den Nachmittag. Es werden viele Geschichten geteilt, von verschiedenen Methodistinnen, die etwas bewegen – in ihrer Gemeinde vor Ort und weltweit. Zum Beispiel wird da von einem Asyl-Café in Stuttgart erzählt, wo Frauen (vorwiegend muslimischen Glaubens) geholfen wird, in Deutschland anzukommen, sich in der neuen Kultur zurechtzufinden. Oder vom Esslinger Treppentreff, an dem viele Menschen aus dem Ort erreicht werden, bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch kommen und es mittlerweile sogar einen Glaubenskurs gibt. Doch nicht nur im Schwabenländle sind die Methodistinnen kreativ und ideenreich, sondern auch in Würzburg, wo sich die „Socken-Mädels“ treffen. Ursprünglich im häuslichen Wohnzimmer zum Stricken – heute (bzw. seit Corona) digital und international. Von England bis Österreich treffen sich Frauen zum Stricken, Geschichten erzählen, Leben teilen: Sorgen und Leid. Bei den „Socken-Mädels“ begleitet und unterstützt man sich gegenseitig.
Bei diesen Geschichten, untermalt von Bildern und Präsentationen, geht einem das Herz auf. Dazwischen wird immer wieder gesungen, die Gemeinschaft gefeiert. Genauso wie beim Schweinfurter Gartencafé. Die Fotos laden ein, sich direkt in den Gemeindegarten der dortigen EmK dazu zusetzen… Am Ende steht da ein Strauß voller vieler bunter Projekte in Süddeutschland, die davon erzählen, wie Glaube in der Liebe tätig wird. Für mich sind das lauter kleine bring & share Momente – passend zum diesjährigen Konferenzthema.
Umso schöner, dass der Blick sich dann noch weitet und wie der Methodismus selbst, sich ins Internationale ausstreckt, wenn Verena Glück vom Weltbund und ihr Stipendium durch das Helen Kim Memorial Scholarship berichtet und dafür wirbt, selbst Teil des Scholarship zu werden. Begeistert und brennend erzählt sie, wie toll es ist, weltweit Methodistinnen zu treffen, Glauben und Lebensgeschichten zu teilen. Und auch Annekathrin Buchold weitet den Blick, wenn sie von ihrem Engagement für die EmK Weltmission in Südafrika erzählt und alle einlädt, dranzubleiben, Mission neu zu definieren und mit den Menschen unterwegs zu sein – egal in welchem Land.
An diese Gedanken und Ideen knüpft der abschließende Gottesdienst dann nochmals an: Monika Bloedt lädt in ihrer Andacht alle Teilnehmer:innen zum Träumen ein bzw. den eigenen Träumen, Sehnsüchten und Ideen nachzuspüren und sie in die Tat umzusetzen. Sie erzählt von Paulus, der einen Traum hatte und deshalb nach Europa kam. Dort trifft er auf Lydia und Lydia ist begeistert. Sie lässt sich von der Botschaft anstecken, die Paulus teilt. Er teilt Glauben und Leben. Lebt also ganz praktisch bring & share und gründet so die erste christliche Gemeinde in Europa. Bis heute lebt dieser Traum in unzähligen christlichen Gemeinden und Kirchen in Europa weiter. Und so ruft Monika Bloedt alle dazu auf: „In jeder von Euch schlummert ein Traum, eine Idee, eine Sehnsucht – gebt dieser Sehnsucht Raum. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Dieser Traum, der in euch schlummert, kann nur von Euch selbst geweckt werden – und vielleicht gibt es ein Gegenüber, das genauso zusammenpasst, wie bei Lydia und Paulus, denn Glauben heißt: Leben teilen“.
Das Leben geteilt und für die Sache der Frau gebrannt, hat auch Kerstin Pudelko-Chmel in ihrer Rolle als Vorsitzende des Frauenwerks ZK. Seit 2003 war sie aktiv im Frauenwerk und ab 2019 die Vorsitzende des Frauenwerks ZK. Heute war es Zeit, Abschied zu nehmen. Sie beendet die Arbeit als Vorsitzende und die Frauenarbeit wird zukünftig als Team gestaltet werden. In ihrer Abschiedsrede für Kerstin Pudelko-Chmel brachte es Cornelia Rieker gut auf den Punkt: „Kerstin, du hast die Aufgaben nicht einfach nur gemacht, sondern durchlebt, manchmal auch durchlitten. Du bist drangeblieben. Das war deine Stärke! Du hattest die Sache im Blick und die Frauen im Herzen.“
Und neben diesem Abschied gab es auch einen Neufang. Denn zum ersten Mal kam der neue Bischof Werner Philipp zu Besuch, um ein Grußwort und einen kleinen Impuls zu geben. Er freute sich sichtlich darüber, eine Stunde mit dabei zu sein: „Lasst euch beschenken. Seid einfach nur da und genießt den Nachmittag miteinander. Seht euch und nehmt euch wahr. (…) Es ist ein riesiges Geschenk, dass wir als so unterschiedliche Geschwister zusammen hier sein dürfen. Wir haben eine tolle Kirche.“ mit diesen Worten begrüßte er alle Teilnehmer:innen ganz herzlich.
Ein Dank geht an alle Frauen, die diesen rundum gelungen Nachmittag im methodistischen Caféhaus gestaltet und vorbereitet haben.
Erfüllt und dankbar gingen die Frauen (und wenige Männer) heute gesegnet nach Hause. Möge der Segen des Nachmittags allen zum Segen werden: „Gott fülle die unstillbare Sehnsucht aus, die in unserem Herzen ist. Gott gebe uns den Mut zum Träumen und die Kraft, jeden Tag neu den Aufbruch zu wagen. Gott gehe uns voran und sei unser Schutz. Gott schenke uns ein Leben in seiner Fülle.“
Mareike Nix