„‚Bring and share‘ ist ein Slogan, der den Raum groß“ macht. Mit diesen Worten eröffnete Bischof Werner Philipp die 28. Süddeutsche Jährliche Konferenz in der Stadthalle in Reutlingen. Damit griff er das diesjährige Leitthema auf, das zur gemeinsamen Teilhabe und zur Begegnung einlädt und dem Claim der Süddeutschen Konferenz entnommen ist. In seiner Andacht nahm er die Konferenzmitglieder mitten in die Bewegung Gottes hinein. Er zeigte uns, dass Gott uns bewegt, weil Gott Bewegung ist, wir Menschen jedoch oft an Grenzen gebunden sind und uns nur schwer bewegen lassen. Gott selbst sei die Verkörperung des „bring and share“.
In einem späteren weiteren geistlichen Impuls ging der Bischof auf jenen Teil des Claims ein, der von der Hoffnung spricht: „Diese Hoffnung begleitet uns“. Er sprach von der Verwandtschaft des Wortes „Hoffnung“ mit „hüpfen“, „erwartungsvollem Zappeln“, „sich ausstrecken“. Die Hoffnung stelle eine Suchbewegung dar und stoße dabei auch ins Unbekannte, noch nicht Gewesene vor. Hoffnung sei die treibende Kraft des Handelns.
Den inhaltlichen Auftakt des ersten Konferenztages bildete der Bericht des Koordinationskreises. Er begleitet den Veränderungsprozess in der SJK und ist beauftragt, die Implementierung des Claims in die Gemeinden voranzutreiben. Hierzu beschloss die Konferenz, eine Wort-Bild-Marke mit dem Abdruck des Claims auf den Weg zu bringen und diese in Zukunft verbindlich zu verwenden. Zur Unterstützung beschloss die Konferenz die Aktion „52 Kurzfilme von euch zu euch“. Alle Bezirke können per Handy-Kamera einen einfachen Kurzfilm erstellen, welcher zeigt, wie der Claim in der Gemeinde praktiziert wird.
Premiere bei der Tagung hatte ein sogenannter Stiftfilm, ein Kurzfilm, welcher in knappen Zeichnungen den Claim erklärt und in den Gemeinden zum Gespräch und der Arbeit mit dem Claim inspirieren soll.
Die Vertreterin der Konferenzdelegierten, Christine Flick, stellte im Schlussteil ihres Berichtes die Frage, wo die Kirche inmitten der polarisierten Gesellschaft einer Welt, die aus den Fugen gerät, wahrzunehmen sei. Die Konferenz bekräftigte diese Frage mit dem Wunsch an den Ausschuss für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hier Möglichkeiten zu diskutieren und in die Konferenz einzubringen.
Darauf, dass jeder Veränderungsprozess „Seiteneffekte“ hat, die zunächst nicht bedacht werden, machten die Jugendlichen Delegierten in ihrem Bericht aufmerksam. Durch die Verschmelzung von vier Distrikten in nunmehr zwei würde sich die Anzahl der Jugendlichen Delegierten in der Konferenz deutlich vermindern. Sie brachten einen Antrag ein, die Zahl ihrer Vertretungen in der neuen Struktur entsprechend anzupassen. Die Konferenz beschloss, dass es künftig acht Jugenddelegierte geben soll. Darüber hinaus ist es jeder Region unbenommen Konferenzdelegierte unter 25 Jahren zu wählen.
Dass alle Kirchen vor denselben Herausforderungen stehen und nur gemeinsam etwas bewegen können, kam in den Grußworten von Bischof Dr. Klaus Krämer der Diözese Rottenburg Stuttgart und Prälat Markus Schoch zum Ausdruck. „Jeder bringt viel ein, niemand nichts und niemand alles, so kommt es darauf an, dass wir es teilen“. Die geschwisterliche Ökumene sei keine Zusatzaufgabe, sondern ein gemeinsamer Weg. Auch Markus Schoch, der Grüße von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg mitbrachte, wies darauf hin, dass Zeugnis nur glaubwürdig sei, wenn es ein gemeinsames Zeugnis ist.
Ulrike Knöller